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PSA-SCHWERPUNKT: Absturz

Ausgaben-Nummer: 
03/2017

In der M.A.S. 2/17 stand „Individuelle Persönliche Schutzausrüstung“ im Mittelpunkt, dieses Mal widmen wir uns in unserem PSA-Schwerpunkt dem Thema „Absturzsicherung“. Sturz und Fall sind leider nach wie vor das Unfallrisiko Nummer 1 mit oftmals folgenschweren bis hin zu tödlichen Verletzungen. Für Arbeiten auf erhöhten Standorten ist daher IMMER eine ordnungsgemäße, geprüfte Absturzsicherung zu benutzen. Denn bereits Stürze aus geringer Höhe können zu schweren Verletzungen führen.

Dies bestätigt auch eine aktuelle Analyse der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Mehr als ein Viertel der im Zeitraum 2009 bis 2016 durch die BAuA erfassten tödlichen Arbeitsunfälle sind Absturzunfälle. Rund ein Drittel der Verunfallten stürzten beispielsweise – meist aufgrund fehlender Sicherungsmaßnahmen – von Dächern oder brachen durch Lichtkuppeln. Weiters untersuchte die BAuA häufige Ursachen für Absturzunfälle und wie diese vermieden werden können. Fazit der Untersuchung: Situationsgerechte und aktuelle Gefährdungsbeurteilungen sowie geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen sind für das Arbeiten in der Höhe unerlässlich. Auch der Sensibilisierung der Beschäftigten für das Risiko eines Absturzes bereits aus geringen Höhen, regelmäßigen Unterweisungen sowie dem Tragen von Persönlicher Schutzausrüstung kommt entscheidende Bedeutung zu. Das Ergebnis der BAuA-Analyse ist in einem Faktenblatt zusammengefasst, das Sie zum Nachlesen unter www.baua.de im Bereich Angebote/Publikationen finden. (Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), baua:fakten Januar 2017)

Welche verschiedenen Systeme zur Absturzsicherung gibt es?

Ausrüstungen zum Schutz gegen Stürze aus der Höhe fallen – aufgrund der schwerwiegenden möglichen Folgen – stets unter die PSA-Kategorie III. Die Auswahl an Produkten am Markt ist groß, für jede Risikosituation und örtliche Gegebenheit gibt es eine passende Lösung: Komplette Absturzschutzsysteme (EN 363) gewährleisten ein Höchstmaß an Sicherheit und beschränken die Bewegungsfreiheit nicht bzw. nur minimal. Die beim Sturz auftretenden Kräfte werden dabei auf ein Minimum reduziert (unter 6 kN) und so auf kraftaufnahmefähige Körperteile verteilt, dass Rücken- und Genickverletzungen weitgehend vermieden werden können. Die verwendeten Systeme müssen nach den jeweiligen Normen geprüft sein und dürfen nicht verändert werden. Man unterscheidet:

  • Rückhaltesysteme, die nur zur Verhinderung von Abstürzen verwendet werden dürfen (Rückhalten von der Absturzstelle), wie z.B. bei Arbeiten auf Flachdächern, wo das Verbindungsmittel so gewählt ist, dass man nicht an die Absturzkante kommen kann.
  • Arbeitsplatzpositionierungssysteme sind Systeme zum Hineinlehnen oder Hängen, um eine Arbeitsposition einnehmen zu können, bei der ein Sturz ausgeschlossen ist, wie z.B. bei Arbeiten auf Hochspannungsmasten, Antennenanlagen, Kränen, Stahlkonstruktionen oder Türmen. WICHTIG: Es muss immer eine zusätzliche Sicherung durch ein Auffangsystem erfolgen.
  • Bei Auffangsystemen zum Auffangen von Stürzen und zur Reduzierung des Fangstoßes unterscheidet man zwischen

- Auffangsystemen mit starrem Verbindungsmittel und Falldämpfer

- Auffangsystemen mit mitlaufendem Auffanggerät an beweglicher Führung und

- Auffangsystemen mit Höhensicherungsgerät.

  • Darüber hinaus gibt es Systeme für seilunterstützten Zugang sowie Rettungssysteme.
  • Auffanggurte (Sicherheitsgeschirre, EN 361) umschließen den Körper vom Bein- bis zum Schulterbereich der zu sichernden Person. Es gibt unterschiedliche Auffanggurte; diese können eine oder zwei Auffangösen und zusätzlich noch Halteösen und Sitzgurtösen haben.
  • Falldämpfer (EN 355) dienen dazu, in einem Auffangsystem sicherzustellen, dass die Bremskraft nicht mehr als 6 kN beträgt. Es gibt Bandfalldämpfer, Reibfalldämpfer sowie Falldämpferleinen.
  • Mitlaufende Auffanggeräte (EN 353-2) fangen in Verbindung mit einem dafür geeigneten Sicherheitsseil den Fall auf; der freie Fall wird gestoppt.
  • Höhensicherungsgeräte (EN 360) sind Auffanggeräte mit einer selbsttätigen Blockierfunktion und einer automatischen Spann- und Einziehvorrichtung. Das Höhensicherungsgerät ist nur in Verbindung mit einem Auffanggurt zu verwenden.
  • Anschlageinrichtungen (EN 795) wie Anschlagpunkte oder Anschlagkonstruktionen dienen nur zum Einhängen von Absturzsicherungssystemen und müssen einer Belastung von mindestens 12 kN (Einzelanschlagpunkt für 1 Person) standhalten.

Detailinfos und Abbildungen zu all diesen Systemen finden Sie im „Handbuch Persönliche Schutzausrüstung“ des Verbandes Arbeitssicherheit im Kapitel „Absturzsicherungen“.

Lesen Sie mehr dazu in der M.A.S. 3/17 im Infoservice ab Seite 5.

Fotocredit: (C) MSA