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TITEL: Arbeitsschutz im Zeichen der Digitalisierung

Ausgaben-Nummer: 
04/2018

Das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz gewinnt für Unternehmen immer mehr an strategischer Bedeutung und bewegt sich dabei im herausfordernden Spannungsfeld von Digitalisierung und einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt.
Die zunehmende Bedeutung und Nutzung insbesondere von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wird durch die PSA-Marktstudie 2018 des Verbandes Arbeitssicherheit (VAS) untermauert: Sie zeigt für die Jahre 2015 bis 2017 ein Wachstum des Marktes für PSA deutlich oberhalb der Erwartungen. So erreichte der österreichische PSA-Markt im Jahr 2017 ein Volumen von 236,4 Millionen Euro. Das entspricht einem mittleren jährlichen Wachstum von 7,2 Prozent. Die Nutzung von PSA stieg damit wesentlich stärker als die Inflation und Konjunktur der vergangenen Jahre.
Auch die positive Bilanz der vor kurzem in Stuttgart zu Ende gegangenen Arbeitsschutz Aktuell mit Fachmesse und Kongress spiegelt diese Entwicklung deutlich wider: Mehr als 10.000 Fachbesucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz informierten sich an drei Tagen über modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz. 280 Aussteller aus 19 Ländern, darunter auch zahlreiche VAS-Mitgliedsbetriebe, präsentierten Neuheiten und Innovationen für maximale Sicherheit am Arbeitsplatz und gesundes Arbeiten. Im Fokus standen die Themen Persönliche Arbeitssicherheit, Sicherheit im Betrieb, Verkehrssicherheit, Betriebliches Gesundheitsmanagement und Ergonomie. „Für Unternehmen und Unternehmer gewinnt das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz angesichts des demographischen Wandels und Fachkräftemangels immer mehr an strategischer Bedeutung. Das zeigt sich nicht nur in der positiven Entwicklung der Aussteller- und Besucherzahlen, sondern auch in der sichtlich großen Akzeptanz der Themen der verschiedenen Messeforen“, betont Christoph Hinte, Geschäftsführer der HINTE GmbH.

Schlüsselthemen der Zukunft
Der dreitägige Fachkongress im Rahmen der Arbeitsschutz Aktuell 2018 stand unter dem Motto „Sicher und gesund arbeiten“ und beschäftigte sich mit elementaren und aktuellen Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Die Bandbreite an Kongressthemen war heuer so groß wie nie zuvor. Eines der zentralen Themen stellte erwartungsgemäß „Arbeit 4.0, die Vernetzung und Digitalisierung der Arbeitswelt“ dar. So bringt die Digitalisierung zwar zum einen Vorteile, wie höhere Flexibilität und bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie, mit sich, zum anderen verschwimmen dadurch jedoch die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben zusehends. Dies stellt den Arbeitsschutz vor ganz neue Herausforderungen und wirft Fragestellungen auf, wie z.B.:

  • Wie gestaltet und organisiert man den betrieblichen Arbeitsschutz im Hinblick auf die zunehmende Entgrenzung von Arbeitszeit und Arbeitsort, die eine hohe Selbstmanagementkompetenz der Mitarbeiter erfordert?
  • Wie kann effizient mit der enormen und komplexen Informationsflut, mit der wir tagtäglich konfrontiert sind, umgegangen und eine diesbezügliche Überforderung der Mitarbeiter vermieden werden?
  • Wie kann in einem immer schnelleren Arbeitsumfeld mit der längerfristigen Arbeitsunfähigkeit von Mitarbeitern umgegangen werden?
  • Wie geht man schließlich mit der Vielzahl an Daten um, die sich durch die zunehmende Digitalisierung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ansammeln?

Eine weitere wichtige Frage ist, wie man der Bewegungsarmut aufgrund oft einseitiger Arbeit am Bildschirm innerbetrieblich entgegnet. Die permanente Arbeit am Computer stellt eine enorme Belastung u.a. für die Augen und die Körperhaltung dar. Hier braucht es entsprechende ergonomische Ausstattungen und vielfältige Arbeitsumgebungen zur Gesunderhaltung der Belegschaft.

Moderner Arbeits- und Gesundheitsschutz als Chance
Wie die oben skizzierten Fragestellungen zeigen, braucht es bei der Einführung neuer Technologien im Unternehmen zweifelsohne nicht nur eine sorgfältige Planung, sondern auch viel Fingerspitzengefühl. Mitarbeiter und Führungskräfte sind dabei unbedingt von Anfang an mit einzubinden. Trotz zunehmender Digitalisierung wird Betriebliches Gesundheitsmanagement nur dann erfolgreich sein, wenn es ganzheitlich und fest in der Unternehmensstruktur verankert ist und auf allen Ebenen authentisch gelebt wird. Was sich auch in Zeiten von 4.0 nicht ändert: Digitale Prozesse werden niemals den persönlichen Kontakt im Unternehmen ersetzen. Mitarbeiter sind und bleiben die wichtigste Ressource eines Unternehmens, die es zu schützen gilt.
So zahlreich und vielfältig die Herausforderungen für Unternehmen durch die Digitalisierung auch sind: Ein moderner und zeitgemäßer Arbeits- und Gesundheitsschutz stellt auch eine große strategische Chance dar und bietet die Möglichkeit, sich im Lichte des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Denn die Generation, die jetzt ins Berufsleben eintritt, bewertet die Attraktivität eines potentiellen Arbeitgebers auch danach, ob dieser moderne, transparente Arbeitsplatzkonzepte bietet und sich nachhaltig um den Arbeits- und Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter bemüht.

Lesen Sie mehr in der M.A.S. 4/18 auf den Seiten 4 und 5. Fotocredit: (C)iStockphoto/PeopleImages