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TITEL INFOSERVICE: Das sollten Sie wissen: Normen & Kennzeichnung Gehörschutz

Ausgaben-Nummer: 
04/2019

Für die Auswahl der richtigen Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist es notwendig, die wichtigsten Normen und Kennzeichnungen zu kennen. Wir setzen unsere Serie mit einer entsprechenden Übersicht zum „Gehörschutz“ fort.
Nicht nur in der Freizeit, sondern vor allem auch am Arbeitsplatz leiden viele Menschen unter „Lärm“. Unter diesem Begriff werden alle Geräusche verstanden, die gesundheitsschädigend sind oder als unangenehm und belästigend empfunden werden. Wie gravierend das Problem mittlerweile ist, das zeigt die Statistik: So sind Schätzungen zufolge allein in Österreich rund 500.000 Menschen an ihren Arbeitsplätzen konkret durch Lärm gesundheitlich gefährdet und bereits jeder vierte Österreicher ist in unterschiedlich starkem Ausmaß hörgeschädigt. Die sozialen und gesundheitlichen Folgen von Lärmschwerhörigkeit sind vielfältig und schwerwiegend. Daher kommt dem Einsatz von geeignetem Gehörschutz höchste Priorität zu: Denn nur durch konsequent und korrekt getragenen Gehörschutz können lärmbedingte Schädigungen des Gehörs sicher und auf Dauer verhindert werden. 

Neu: Gehörschutz nun PSA-Kategorie III
Mit der neuen PSA-Verordnung (EU) 2016/425 wird schädlicher Lärm seit 2016 offiziell als Risiko für irreversible Gesundheitsschäden anerkannt. Seit April 2018 sind daher nun alle Ausrüstungen, die als Gehörschutz in oder auf dem Ohr getragen werden, in die PSA-Kategorie III eingestuft – und damit strengeren Tests zur Zertifizierung und Konformitätsüberprüfung unterzogen.
Generell unterscheidet man bei Gehörschutz zwischen Kapselgehörschützern, Gehörschutzstöpseln und Schallschutzhelmen, in jeweils unterschiedlichsten Ausführungen.

Normen und Kennzeichnung
Die allgemeinen Anforderungen für die verschiedenen Arten von Gehörschützern sind in EN 352-1 bis 3, die sicherheitstechnischen Anforderungen und Prüfungen für die verschiedenen Arten von Gehörschützern in EN 352-4 bis 8 geregelt. Empfehlungen für die Auswahl, den Einsatz, die Pflege und Instandhaltung von Gehörschützern enthält EN 458, hier finden sich zudem auch die verschiedenen Methoden zur Ermittlung der Dämmwirkung.
Die Kennzeichnung von Gehörschutz ist in EN 352 geregelt, demnach ist Gehörschutz u.a. wie folgt dauerhaft zu kennzeichnen:
-    Name des Herstellers/Name der Handelsmarke
-    Bezeichnung des Modells
-    Angabe der europäischen Norm EN 352
-    CE-Kennzeichnung
-    Nenngrößen-Angaben
-    Angaben zum Einsetzen, zur Anwendung und zum richtigen Tragen des Gehörschutzes
Jedem Gehörschützer sind auch Informationen zu funktionsgerechter Benutzung, Reinigung, Desinfizierung und technischen Daten (u.a. Schalldämmung) beizulegen.

Dämmwert & Kennzeichnung Signalhörbarkeit
Die Dämmwirkung eines Gehörschutzes kann nach verschiedenen Methoden ermittelt werden. Die SNR-Methode bestimmt beispielsweise nur einen einzigen Dämmwert, nämlich die vereinfachte Geräuschpegelminderung (SNR – single number rating/einfacher Dämmwert).
Bei bestimmten Arbeitsplätzen kann es zudem erforderlich sein, trotz Verwendung eines Gehörschutzes Signale aus der Arbeitsumgebung zu hören. Für die Auswahl eines hierfür geeigneten Gehörschutzes sind die folgenden Aspekte relevant:
-    Hörbarkeit von Warnsignalen,
-    Hörbarkeit von informationshaltigen Arbeitsgeräuschen sowie
-    Sprachverständlichkeit am Arbeitsplatz 
Die Zusatzkennzeichnungen mit den Buchstaben S, V, E1, E2, E3, W und X kennzeichnen die Signalhörbarkeit beim Tragen von Gehörschutz, mit jeweils folgender Bedeutung:
•    S: Signalhören im Gleisoberbau ist möglich.
•    V: Signalhören für Fahrzeugführer im öffentlichen Straßenverkehr ist möglich.
•    E1, E2 und E3: Signalhören für Triebfahrzeugführer und Lokrangierführer im Eisenbahnbetrieb ist in folgenden Qualitäten möglich: E1 = sehr gut geeignet, E2 = gut geeignet, E3 = bedingt geeignet.
•    W: Hier sind die Prüfkriterien „Warnsignalhören allgemein“, „informationshaltige Geräusche“ und „Sprachverständlichkeit“ erfüllt.
•    X: Der Gehörschutz ist extrem flachdämmend. Er ist für Personen mit Hörminderung geeignet und kann auch für Musiker geeignet sein. Flachdämmend bedeutet, dass die Schalldämmung von tiefen zu hohen Frequenzen hin nur wenig ansteigt.
Die Kennzeichen W und X berücksichtigen nur die Schalldämmwerte der Gehörschützer. Derartig gekennzeichnete Gehörschützer sind daher für die meisten Arbeitsplätze geeignet. In die drei anderen Kennzeichen gehen auch die Spektren von Signalen und Störgeräuschen an den jeweils genannten speziellen Arbeitsplätzen ein.
Als Hilfe bei der Auswahl des geeigneten Gehörschützers enthält beispielsweise die Positivliste des IFA (Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) Zusatzkennzeichen zur Signalhörbarkeit. Die IFA-Liste sowie weiterführende Informationen zu den besonderen Anforderungen an die Signalhörbarkeit beim Verwenden von Gehörschützern finden Sie unter www.dguv.de/ifa/fachinfos im Bereich „Lärm/Gehörschützer/Signalhörbarkeit beim Tragen von Gehörschutz“. Quelle: www.dguv.de

Weitere detaillierte Informationen zur Auswahl von Gehörschutz-Produkten entnehmen Sie unserem „Handbuch Persönliche Schutzausrüstung“ im Kapitel „Gehörschutz“.
Fotocredit: (C)Blakläder Workwear GmbH