Startseite

TITEL: PRÄVENTION - Kein Krebs durch Arbeit

Ausgaben-Nummer: 
02/2018

Die Zahlen sind alarmierend: In Österreich sterben jedes Jahr etwa 20.000 Menschen an Krebs, ca. 1.800 der damit verbundenen Todesfälle werden durch die Arbeit hervorgerufen. Erschwerend kommt hinzu, dass nur rund 10 Prozent der arbeitsbedingten Krebserkrankungen als solche erkannt werden.
Auch in der EU sind Krebserkrankungen Schätzungen zufolge die häufigste Ursache von arbeitsbedingten Todesfällen. Um die Zahl der berufsbedingten Krebserkrankungen zu verringern, unterzeichneten bereits im Mai 2016 sechs europäische Organisationen mit der „Roadmap on Carcinogens“ ein Übereinkommen, in dem sie sich zu einem freiwilligen Maßnahmenprogramm zur Sensibilisierung für die Gefährdung durch Karzinogene am Arbeitsplatz und zum Austausch von guten praktischen Lösungen verpflichteten. Vor allem kleinere Unternehmen sollen davon profitieren. Darüber hinaus hoffen die Initiatoren, dass eine stärkere Sensibilisierung Innovationen bei Produktionsprozessen herbeiführen wird, so dass krebserregende Stoffe allmählich durch sichere Alternativen ersetzt werden.  

Kampf gegen arbeitsbedingten Krebs
Vor wenigen Tagen fiel nun auch in Österreich der Startschuss für die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“ der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA), die damit thematisch an die „Roadmap on Carcinogens“ anknüpft. Bei der Umsetzung der zweijährigen Kampagne wird das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz von Sozialpartnern, Sozialversicherungsträgern, Expertinnen und Experten sowie von Unternehmen unterstützt.
Besonderes Augenmerk liegt in Österreich auf den krebserzeugenden Arbeitsstoffen. Mit der Kampagne soll das Bewusstsein für die von gefährlichen Substanzen ausgehenden Gefährdungen geschärft und eine Kultur der Risikoprävention gefördert werden.

Problembewusstsein noch gering
Und das ist dringend notwendig. Denn auch in Österreich sind gefährliche Arbeitsstoffe weit verbreitet – und durch neue Verfahren und neue Stoffe kommen laufend neue Risiken hinzu. „Oft ist Arbeitnehmern und Arbeitgebern allerdings nicht bewusst, dass sie gefährliche Arbeitsstoffe verwenden, insbesondere dann, wenn diese erst im Laufe eines Arbeitsprozesses entstehen“, weiß Mag.a Martina Häckel-Bucher, unter deren Leitung die Kampagne in Österreich koordiniert wird.
Ein Ziel der Kampagne ist daher, in Betrieben das Problembewusstsein und das Wissen über krebserzeugende Arbeitsstoffe und geeignete Präventionsmaßnahmen zu erhöhen. So zeigt die Erfahrung, dass schon mit einfachen Maßnahmen wesentliche Verbesserungen bei der Exposition von Arbeitnehmern erzielt werden können. Im Idealfall können die gefährlichsten Arbeitsstoffe ersetzt werden oder es können technische Maßnahmen ergriffen werden, die den Kontakt mit diesen Stoffen minimieren. Oft reichen aber auch kleine Änderungen im Arbeitsablauf aus, um eine messbare Verbesserung zu erreichen, wie z.B. einfache Hygienemaßnahmen oder Zugangsbeschränkungen zu betroffenen Bereichen. Viele Fälle arbeitsbedingter Krebserkrankungen ließen sich also vermeiden.
Unterstützt werden die Betriebe dabei auch von der Arbeitsinspektion, die mit dem österreichweit durchgeführten Schwerpunkt „Kanzerogene Arbeitsstoffe“ einen aktiven Beitrag zum Schutz vor arbeitsbedingten Krebserkrankungen leistet (lesen Sie mehr dazu im Interview mit Frau Dr.in Anna Ritzberger-Moser).

„Gib Acht, Krebsgefahr!“
Auch die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt greift das Thema auf: Das in Kürze startende Forum Prävention bildet den Auftakt der zweijährigen AUVA-Präventionskampagne zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen, die damit an die EU-OSHA-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“ anschließt. Geplant sind Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung wie Informationsveranstaltungen und Broschüren für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Schulungen und Instrumente speziell für Präventivfachkräfte sowie gezielte Beratungen in einzelnen Branchen. Nähere Einblicke in die Ausrichtung der neuen AUVA-Kampagne bietet u.a. ein Workshop im Rahmen des Forum Prävention.

Lesen Sie weiter in der M.A.S. 2/18 auf Seite 5. Fotocredit: (C)EU-OSHA