Startseite

TITELSTORY: Kompatibilität & Wechselwirkungen: So kombinieren Sie PSA sicher

Ausgaben-Nummer: 
01/2017

Oftmals ist es an Arbeitsplätzen aus Arbeitsschutzgründen erforderlich, dass mehrere verschiedene Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) gleichzeitig miteinander verwendet werden. Um dabei mögliche, unter Umständen gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass diese miteinander kompatibel sind. Die Schutzwirkung von Persönlicher Schutzausrüstung darf durch Kombination keinesfalls beeinträchtigt werden.

Es liegt in der Zuständigkeit des Arbeitgebers, die verwendeten Persönlichen Schutzausrüstungen in Hinblick auf ihre Kompatibilität zu beurteilen. Insbesondere im Falle komplexerer Wechselwirkungen sollte sich der Arbeitgeber jedoch auf die Kompetenz der Hersteller und der Prüf- und Zertifizierungsstelle verlassen können. So ist in Abschnitt 1.3.3. der Verordnung (EU) 2016/425 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über persönliche Schutzausrüstungen zum Thema „Kompatibilität unterschiedlicher Arten von PSA, die zur gleichzeitigen Nutzung bestimmt sind“ zu lesen: „Werden vom selben Hersteller mehrere PSA-Modelle unterschiedlicher Art, die zum gleichzeitigen Schutz benachbarter Körperteile bestimmt sind, in Verkehr gebracht, müssen diese PSA-Modelle untereinander kompatibel sein.“ ACHTUNG: Hier wird somit nur die Kompatibilitätsgarantie für mehrere PSA, wenn sie vom selben Hersteller stammen, angeführt. In der Praxis wird aber von unterschiedlichen Herstellern bzw. Händlern gekauft bzw. kann ein Hersteller oftmals gar nicht alles, was der Anwender benötigt, liefern. Das heißt wiederum: Wird verschiedene PSA unterschiedlicher Hersteller in Kombination eingesetzt, so muss die geeignete Fachkraft (z.B. der zertifizierte PSA-Experte oder der zertifizierte Fachberater für bestimmte Produktgruppen) beurteilen, ob die Kombination kompatibel ist und somit die erforderlichen Schutzfunktionen erfüllt.

Verantwortung liegt beim Arbeitgeber

Die österreichische PSA-Verordnung überträgt die Verantwortung klar dem Dienstgeber: Unter dem Punkt „Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung“ ist in § 6 Absatz (2) und (5) festgehalten:

  • (2) „Arbeitgeber/innen dürfen nur solche persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, die auf Grund der Ergebnisse der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren und der Bewertung als insgesamt geeignet festgelegt wurde. Die Auswahl persönlicher Schutzausrüstung hat entsprechend den Ergebnissen der Evaluierung in Abstimmung mit den jeweiligen Arbeitsbedingungen und Arbeitsvorgängen sowie allenfalls zusätzlich erforderlicher anderer persönlicher Schutzausrüstung oder Arbeitskleidung zu erfolgen.“
  • (5) „Machen verschiedene Gefahren den gleichzeitigen Einsatz mehrerer persönlicher Schutzausrüstungen notwendig (§ 70 Abs. 4 ASchG), müssen diese Ausrüstungen aufeinander abgestimmt und muss ihre Schutzwirkung gegen die verschiedenen Gefahren sicher gewährleistet sein.“

Ist dies nicht vollständig möglich, so legt Punkt (7) ergänzend fest:

  • (7) Bestehen aufgrund der verschiedenen Gefahren einander widersprechende Anforderungen an die persönlichen Schutzausrüstungen, muss die Ausrüstung die erforderliche Schutzwirkung jedenfalls gegen die Gefahren mit dem höchsten Risiko sicher gewährleisten. Zum Schutz gegen das verbleibende Restrisiko ist die bestmögliche persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Jene Gefahrenmomente, die dabei nicht vollständig ausgeschaltet werden können, sind zu verringern, indem das verbleibende Risiko neu evaluiert wird, dabei ist eine Verbesserung des Schutzes und der Arbeitsbedingungen durch vorläufige Maßnahmen anzustreben. Den Arbeitnehmer/innen sind geeignete Anweisungen zum Schutz gegen vorläufig weiterbestehende Gefahrenmomente zu erteilen (§ 7 Z 9 ASchG).“

Lesen Sie weiter in der M.A.S. 1/17 auf den Seiten 4 bis 5.

Fotocredit: (C)MSA