In der November-Ausgabe der M.A.S. stand das „Arbeiten unter extremen Wetterbedingungen“ im Mittelpunkt, dieses Mal widmen wir uns im PSA-Schwerpunkt dem Thema „EN 352 – Gehörschutz“.

Wir haben auf den nachfolgenden Seiten die Änderungen und neuen Vorschriften der EN 352:2020 für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die verschiedenen Pro­duktarten von Gehörschutz. Aus Platzgründen ist es uns hier jedoch NICHT möglich, alle Details zu erörtern. Diesbezüglich empfehlen wir Ihnen vertiefend zu Normen das Austrian Standards Institute. Einen aktuellen Bezugsquellen­nachweis, bei welchem VAS-Mitgliedsunternehmen Sie Gehörschutz-Produkte beziehen können, finden Sie dieses Mal im Infoservice auf den Seiten 12-14.

EN 352 – Gehörschutz

Die Normenfamilie EN 352 wurde nach einer vor kurzem erfolgten regelmäßigen Überarbeitung im Jahr 2020 veröffentlicht. Wir haben die wichtigsten Änderungen und neuen Vorschriften der EN 352:2020 für Sie nachfolgend zusammengefasst. 

Lärm ist gesundheitsschädlich und durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit führt auch in Österreich seit vielen Jahren die Liste der Berufskrankheiten an. Die gute Nachricht: Lärmbedingte Schädigungen des Gehörs können durch Gehörschutz sicher und auf Dauer verhindert werden, aber nur dann, wenn dieser konsequent und korrekt getragen wird. Allgemeine sowie sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfungen für die verschiedenen Arten von Gehörschützern sind in der Normenfamilie EN 352 geregelt, die überarbeitet und im Jahr 2020 als EN 352:2020 veröffentlicht wurde.

 Übernahmefrist endet am 21. Juli 2024

Im Fall der neuen Normenfamilie EN 352 hätte die Übernahmefrist bereits am 21. Januar 2023 geendet. Um allen Beteiligten aber ausreichend Zeit zu geben, die neuen Normen umzusetzen, wurde die Frist bis 21. Juli 2024 verlängert. Das bedeutet: Unter Berücksichtigung der neuen verlängerten Frist müssen neue Produkte, die nach dem 21. Juli 2024 auf den Markt gebracht werden, vollständig der überarbeiteten Version 2020 der Norm entsprechen. Bestehende Produkte, die bereits auf dem Markt sind und durch ein gültiges CE-Zertifikat gegenüber der vorherigen Version der Norm unterstützt werden, bleiben jedoch zulässig, solange das CE-Zertifikat nicht vor dem 21. Juli 2024 abläuft.

Was hat sich geändert?

Im Falle der Normenfamilie EN 352 hat das Europäische Komitee für Normung CEN/TC159 beschlossen, alle relevanten Stellen dieser Normenfamilie zu überarbeiten. Eine der Hauptänderungen der aktualisierten Normen war die Förderung der Kommerzialisierung von Produkten für Anwender, die niedrigen bis mäßigen Geräuschpegeln ausgesetzt sind, ohne die Gefahr von Isolation oder Überprotektion. Das ist der Hauptgrund, warum in der Konformitätsprüfung nicht mehr eine niedrige Grenze der Testfrequenzen bei der Oktavbandmethode von 125 Hz bis 8000 Hz gilt. Die neue Konformitätsprüfung basiert auf dem minimalen Wert der hohen (12), mittleren (11) und niedrigen (9) Frequenzen auf Basis einer mittleren Standardabweichung von -1. Zusätzlich zur neuen Konformitätsprüfung werden die SNR-Daten auch auf Basis einer mittleren Standardabweichung von -1 berichtet.

Testverfahren und Berichterstattung

Es werden alle Produkte hinsichtlich der neuen Norm erneut geprüft und zertifiziert, wie in der technischen Dokumentation des Herstellers zu sehen ist. Das Testverfahren ändert sich jedoch nicht: Die Testsignale, die Anzahl der Testsubjekte (16) und die Testmethode bleiben gleich. Der Unterschied besteht in der Berechnung und der Art, wie die Ergebnisse berichtet werden. So sind die Mittelwerte und Standardabweichungen sowohl in SNR- und HML-Daten enthalten.

Für die Praxis bedeutet das: Wenn sich das Produkt nicht geändert hat und keine Änderungen im Testverfahren vorhanden sind, können sich bei erneuter Prüfung trotzdem Änderungen des Leistungsanspruches ergeben. Überprüfen Sie die Produktkennzeichnungen und Leistungsansprüche, wenn das Produkt auf eine neue Norm zertifiziert wurde, um sicherzustellen, dass die derzeitige Leistung des Produkts, wie in den relevanten Regelungen im Rahmen der Normenfamilie EN 352:2020 überprüft, immer noch Ihren Anforderungen entspricht.

Hersteller in der Pflicht

Die Handlungspflicht liegt beim Hersteller, da alle Produkte getestet, zertifiziert und gemäß den aktualisierten Normen gekennzeichnet werden müssen. Für den Endkunden oder die Person, die das Produkt kauft, besteht kein Handlungsbedarf. Es wird jedoch empfohlen, dass der Käufer prüft, ob jedes Produkt, das nach dem 20. Januar 2023 produziert wurde, das richtige Veröffentlichungsdatum der Norm enthält, z. B. EN 352:2020 für Kapselgehörschützer mit Kopfbügel. Die angegebenen Normen sind in der Konformitätserklärung (DOC) oder in der Gebrauchsanleitung zu finden. Das Produkt sollte auch hinsichtlich Änderungen des Leistungsanspruches, die möglicherweise durch diese Aktualisierungen entstehen, überprüft werden.

Weitere Informationen zur aktualisierten Norm finden Sie im Technischen Bericht „Neue Vorschriften – EN 352:2020“ von 3M unter 3m-hear-for-life-technical-bulletin-en-352-german.pdf  .

Produktarten & Auswahltipps

Bei Gehörschutz werden generell folgende Produktarten unterschieden: Kapselgehörschützer bestehen aus zwei Gehörschutzkapseln, welche die Ohrmuscheln von außen umschließen und gegen den Kopf mit weichen Dichtungskissen, die mit Schaumstoff oder Flüssigkeit gefüllt sind, abdichten. Die Kapseln sind im Allgemeinen mit akustisch absorbierendem Material ausgelegt und in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Gehörschutzstöpsel werden im Gehörgang getragen und in Einwegstöpsel oder wiederverwendbare Stöpsel unterteilt. Man unterscheidet fertiggeformte Gehörschutzstöpsel zum einmaligen Gebrauch, vor Gebrauch zu formende Stöpsel zum einmaligen Gebrauch, fertiggeformte Gehörschutzstöpsel zum mehrfachen Gebrauch, Stöpsel mit festem Bügel (Bügelstöpsel) oder Bandverbindung sowie Otoplastiken, die speziell für das Ohr des Trägers nach Abdruck des Gehörkanals auspolymerisiert und angepasst werden. Schallschutzhelme decken das Außenohr ebenso ab wie einen großen Teil des Kopfes. Dadurch wird die Übertragung von Luftschall auf den Schädelknochen und damit die Knochenleitung von Schall zum Innenohr verringert.

Die Wahl des richtigen Gehörschutzes hängt von zahlreichen Kriterien ab. Dazu zählen u.a. die Art des Lärms, die Arbeitsbedingungen, aber auch Passform, Tragekomfort und die mögliche Kompatibilität mit anderer PSA. Quellen: 3M, „Handbuch Persönliche Schutzausrüstung“ des VAS

Lesen Sie mehr zum Thema sowie unser Expertenstatement von Robert Kacalek, Head of Business Development EARWEAR der Audio lab Austria GmbH, zu „Vor- und Nachteile von angepasstem Gehörschutz“ in der April-Ausgabe der M.A.S. im Infoservice auf den Seiten 8-11.

Fotocredit: (C)Blåkläder

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