Neue EU-OSHA-Kampagne 20-22:  Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich

Neue EU-OSHA-Kampagne 20-22: Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) zählen zu den häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen. Vor kurzem fand auch in Österreich die virtuelle Auftaktveranstaltung der zweijährigen EU-OSHA-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich“ statt, deren Ziel die Prävention arbeitsbedingter MSE ist.

Die besondere Relevanz des Kampagnenschwerpunkts untermauern u.a. folgende Zahlen: In ganz Europa leiden Millionen Arbeitnehmer an Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE), in Österreich ist die Betroffenheit ebenfalls hoch: So lassen sich einer Erhebung zufolge rund 20 Prozent aller Krankenstandstage auf eine Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems zurückführen. MSE zählen somit auch hierzulande zu den häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen.

 

Was sind MSE?

Als arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen werden Beeinträchtigungen und Schädigungen von Muskeln, Gelenken und Sehnen bezeichnet, die hauptsächlich durch Arbeit oder Einwirkungen des unmittelbaren Arbeitsumfelds verursacht oder verschlimmert werden. Besonders häufig sind Rückenschmerzen und Schmerzen in den oberen Gliedmaßen.

Die Ursachen dafür sind mannigfaltig und reichen von schwerer körperlicher Arbeit über zu wenig Bewegung und Zwangshaltungen bis hin zu schlechten ergonomischen Bedingungen am Arbeitsplatz, sei es nun im Büro oder im Homeoffice. Die Europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken 2019 gibt genauere Einblicke und zeigt auf, dass wiederholte Hand- oder Armbewegungen der häufigste Risikofaktor in den EU-27 (angegeben von 65 Prozent der Betriebe) sind. Weitere Risiken im Zusammenhang mit Muskel-Skelett-Erkrankungen sind längeres Sitzen (61 Prozent), das Heben oder die Handhabung von Menschen oder schwere Lasten (52 Prozent), Zeitdruck (45 Prozent) sowie eine ermüdende oder schmerzhafte Arbeitshaltung (31 Prozent).

 

Hoher Leidensdruck, hohe Kosten

Die Folgen für die Betroffenen sind jedenfalls enorm: MSE können die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit eines Menschen stark beeinträchtigen und sind eine der häufigsten Ursachen von Behinderung, krankheitsbedingten Fehlzeiten und vorzeitigem Ruhestand. Darüber hinaus führen MSE dazu, dass Arbeitnehmer weniger produktiv sind und – im Vergleich zu jenen ohne Gesundheitsprobleme – mehr „Präsentismus“ an den Tag legen, also zur Arbeit kommen, obwohl es ihnen nicht gut geht.

Neben der Einschränkung der Lebensqualität Einzelner entstehen der Wirtschaft durch arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen hohe Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro jährlich. Diese beziehen sich zum einen auf die direkten Kosten, die u.a. zur Gesundheitsversorgung und für Medikamente verwendet werden, zum anderen auf indirekte Kosten, wie sie zum Beispiel durch Umbesetzungen der Arbeitsteams, Produktivitätsrückgänge, Produktionsverzögerungen, die Ersetzung kranker Arbeitnehmer (einschließlich der Einweisung neuer Mitarbeiter) und Fehlzeiten oder Präsentismus entstehen.

Es ist daher von großer Bedeutung, dass Arbeitgeber auf die Problematik hingewiesen werden und ihnen Unterstützung und Hilfestellung bei der Prävention von und im Umgang mit MSE angeboten wird.

 

Umsetzung in Österreich

Genau daran setzt die zweijährige EU-weite Kampagne „Gesunde Arbeitsplätz – entlasten Dich“ an, die von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) initiiert und bei deren Umsetzung in Österreich das Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend von Sozialpartnern, Sozialversicherungsträgern, Experten sowie Unternehmen unterstützt wird. Ziel ist, die Krankheitszahlen deutlich zu senken. Und wie die Erfahrung zeigt, können oft schon mit einfachen Maßnahmen wesentliche Verbesserungen erzielt werden.

Als engagierter Partner setzt Österreich im Rahmen der Kampagne zahlreiche Aktivitäten zur aktiven Bekämpfung von MSE um, wie die nationale Kampagnenmanagerin Mag. Martina Häckel-Bucher betont: „Muskel-Skelett-Erkrankungen sind das am häufigsten vorkommende arbeitsbedingte Gesundheitsproblem in Europa, von dem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sämtlicher Arbeitsplätze und quer durch alle Branchen betroffen sind. Ich wünsche mir, dass es uns in den nächsten zwei Jahren im Rahmen der neuen EU-Kampagne `Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich!` gelingen wird, wichtige Impulse, Initiativen und Aktivitäten zur Reduktion von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen zu setzen und Unternehmen zu motivieren, sich mit der Thematik eingehend auseinanderzusetzten und sich an der Kampagne zu beteiligen.“

In einem ersten Schritt muss das Bewusstsein für Muskel-Skelett-Erkrankungen geschärft und die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gestärkt werden. So plant die Arbeitsinspektion für 2021 beispielsweise eine Beratungsoffensive zum Thema Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Einen weiteren speziellen Schwerpunkt legt die Arbeitsinspektion auf die besonders vulnerable Gruppe der Jugendlichen und jungen Arbeitnehmer. Auch die Sozialpartnerorganisationen planen vielfältige Initiativen zu diesem Thema.

 

AUVA als Präventionspartner für Betriebe

Verlässlicher Partner der Unternehmen im Bereich der Prävention ist auch die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA). „Expertinnen und Experten beraten Betriebe kostenlos zur ergonomischen Gestaltung von Arbeit, wie beispielsweise zur richtigen Lastenhandhabung und zur optimalen Einstellung von Bildschirmarbeitsplätzen. Darüber hinaus bietet die AUVA diverse Informationsmaterialien, Schulungen, Veranstaltungen etc. zum Thema Prävention arbeitsbedingter MSE und physischer Belastungen. Mit jedem vermiedenen Schadensfall vermeiden wir körperliches sowie seelisches Leid und verringern zusätzlich die finanzielle Belastung für Unternehmen, Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft. So trägt auch die EU-Initiative `Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich` dazu bei, das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz als Ganzes – und den Schutz arbeitstechnisch stark betroffener Körperregionen im Besonderen – noch stärker zu fokussieren und voranzutreiben“, betont DI Georg Effenberger, Leiter der AUVA-Präventionsabteilung.

 

Good Practice Award

Zahlreiche Unternehmen in Österreich haben bereits erfolgreich Maßnahmen zur Prävention von MSE gesetzt. So arbeitet der burgenländische Büromöbelhersteller Neudoerfler beispielsweise seit vielen Jahren an Lösungen, um Arbeitsplätze so gesund wie möglich zu gestalten. Im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs für gute praktische Lösungen, der Bestandteil jeder EU-OSHA-Kampagne ist, können Unternehmen ihre Beispiele für die aktive Vorbeugung und Bekämpfung von MSE am Arbeitsplatz für den Good Practice Award einreichen.

 

Quellen: Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend, www.bmafj.gv.at; EU-OSHA, www.healthy-workplaces.eu/de

Lesen Sie mehr in der M.A.S. 4/20 auf den Seiten 4 bis 5. Fotocredit: (C)iStockphoto.com/4×6

Gemeinsam durch die Krise: Arbeitsschutz Aktuell 2020 goes digital

Gemeinsam durch die Krise: Arbeitsschutz Aktuell 2020 goes digital

Während aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie heuer auch im Bereich Arbeitssicherheit und Persönlicher Schutz zahlreiche Veranstaltungen verschoben oder überhaupt abgesagt werden mussten, wird die Arbeitsschutz Aktuell von 6. bis 8. Oktober in ihrem 25. Jubiläumsjahr trotzdem, und zwar in einem neuen digitalen Messeformat über die Bühne gehen.  

Mit mehr als 10.000 Fachbesuchern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und 280 Ausstellern aus 19 Ländern, darunter auch zahlreichen VAS-Mitgliedsbetrieben, konnte die Arbeitsschutz Aktuell 2018 eine äußerst positive Bilanz ziehen. Für die Planungen der Ausgabe 2020 der im Zweijahresrhythmus stattfindenden Fachmesse mit Kongress sind die Rahmenbedingungen jedoch mehr als herausfordernd: Im Spannungsfeld zwischen Infektionsschutz, Planungssicherheit und politischen Rahmenbedingungen hat der Veranstalter der Arbeitsschutz Aktuell, die HINTE Messe- und Ausstellungs-GmbH, in den vergangenen Wochen in engem Austausch mit einer Vielzahl von Ausstellern und Partnern um eine sinnvolle Lösung gerungen. Aufgrund der aktuellen Lage findet die Arbeitsschutz Aktuell in diesem Jahr als reines Digital-Event statt.

Messe, Kongress & Networking

Die „Arbeitsschutz Aktuell 2020 digital – sicher und gesund arbeiten“ gewährleistet von 6. bis 8. Oktober neben dem Wissenstransfer und dem Austausch im Kongress auch den qualifizierten persönlichen Austausch der Aussteller mit ihren Zielgruppen. Auf der Basis einer praxisbewährten und datensicheren Plattform wird auf diese Weise der Austausch zwischen Kunden und Anbietern ohne großen Aufwand möglich und erhält die Geschäftsbeziehungen lebendig bzw. schafft neue. Für den digitalen Kongress steht eine Plattform zur Verfügung, die einen regen Austausch zwischen den Referierenden und den Teilnehmenden aktiv unterstützt.

Diese wirksame Vernetzung in der digitalen Arbeitsschutz Aktuell 2020 soll das Miteinander, die Internationalität und das Vertrauen in die Arbeitsschutz Community stärken. Schließlich ist 2020 das Jahr der Chancen und Herausforderungen, vor allem für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Arbeitsschutz Community in der Krise stärken

Diese Ziele streicht auch Christoph Hinte, Geschäftsführer HINTE EXPO & CONFERENCE, hervor: „Wir haben uns der herausfordernden Aufgabe gestellt, eine konzeptionelle und wirtschaftliche Perspektive für dieses Jahr zu erarbeiten. Unsere gewachsene Partnerschaft und das vertrauensvolle Miteinander mit den Ausstellern, den Fachmedien und wichtigen Verbänden ist der Garant, dass wir eine leistungsfähige und zukunftsweisende Arbeitsschutz Aktuell digital umsetzen und auf diese Weise auch für die Zukunft die Arbeitsschutz Aktuell als wertvolle Plattform für die Arbeitsschutz-Community nicht nur erhalten, sondern weiter auszubauen.“

100% digital mit echter Netzwerkatmosphäre

Digitale Videoräume bieten den Ausstellern die gesamte Bandbreite an Aktivitäten, die sie sonst von ihrem realen Messestand gewohnt sind. Von Einzelgesprächen, Produktpräsentationen bis hin zu Podiumsdiskussionen haben Aussteller die Möglichkeit, den Kontakt zu ihren Kunden zu pflegen und neue Kunden kennen zu lernen. Für den digitalen Besucher wiederum ermöglichen verschiedene Such- und Orientierungsfunktionen eine schnelle Kontaktaufnahme mit den Anbietern.

Wissenstransfer und Interaktion
Neben ihrer Messepräsenz können sich Aussteller der Arbeitsschutz Community auch auf dem digitalen Messe-Forum präsentieren. Die jeweiligen Vortragsforen werden live gestreamt, sind interaktiv und für alle Teilnehmer mit einem Messeticket zugänglich. Weitere Vorteile: Redner können Präsentationen oder vorproduzierten Content mit den Teilnehmern teilen und erhalten technische Unterstützung vor und während des Vortrags, der in Echtzeit in 27 Sprachen übersetzt werden kann. Die Besucher haben die Möglichkeit, ebenfalls in Echtzeit, mit dem Redner über ein Chat-Tool in den Austausch treten. Ein Raum für Diskussion und Q&A-Sessions steht zudem bereit. Die Vorträge werden aufgezeichnet und anschließend über den Arbeitsschutz Aktuell Newsroom verbreitet.

Fachkongress fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit

Raum für spannende Diskussionen bietet auch in diesem Jahr der gewohnt dreitägige Fachkongress der Fachvereinigung Arbeitssicherheit e.V. (FASI). Ziel des Kongresses ist die Präsentation und Diskussion von integrativen Konzepten, Initiativen und Lösungsansätzen rund um das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Verantwortlichen, Experten, Betroffenen und Multiplikatoren zu fördern. Die Bandbreite an Kongressthemen ist entsprechend vielfältig und reicht von Gefahrstoffen und Maschinen über Gefährdungsbeurteilungen bis hin zu arbeitsmedizinischen und psychologischen Aspekten der Arbeitssicherheit.

Digitalisierung im Arbeitsschutz

Ein Themenblock des Kongresses ist den „Entwicklungen des Arbeitsschutzes durch Digitalisierung“ gewidmet – ein Thema, das nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie von besonderer Aktualität ist, wie Moderatorin Katrin Zittlau, stv. Vorstandsmitglied des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e.V. (VDSI), betont: „Digitalisierung und digitaler Transfer sind zentrale Entwicklungen, insbesondere auch jetzt vor dem Hintergrund der Pandemie. Die Chancen und Risiken dieser Entwicklungen für die Beschäftigten zu kennen und sich damit frühzeitig auseinanderzusetzen, ist entscheidend, um die Arbeitswelt heute und in Zukunft sicher und gesund zu gestalten.“ Eine wichtige Frage, die abschließend im Themenblock diskutiert werden soll, ist auch, wie die aktuelle Pandemie die Sicht auf Herausforderungen und Chancen digitalisierter Arbeit verändert.

Kennzahlen für mehr Sicherheit

Ein weiterer Kongressblock beschäftigt sich mit der Bedeutung und dem Nutzen von Kennzahlen im Arbeitsschutz. Denn mit der Einführung von Managementsystemen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in Verbindung mit einer prozessorientierten Unternehmensführung, wächst auch die Bedeutung von Kennzahlen für diesen Bereich. Die Unfallquote, AU-Tage, Gesundheitsquoten oder andere angewendete Kennzahlen sind oft zu unspezifisch bzw. ohne wirkliche Aussagekraft und daher als Steuerungselement ungeeignet. Kennzahlen sind jedoch wichtige Steuerungs- und Verbesserungsinstrumente, nicht nur für den Bereich Sicherheit und Gesundheit, sondern auch für die Bewertung anderer Organisationsziele, wie wirtschaftlicher Erfolg, Qualität oder Umweltschutz. Im Kongressblock wird das Kennzahlenthema aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt, allesamt eine gut geeignete Ausgangslage für das Entwickeln und Anwenden eigener Ansprüche an Kennzahlensysteme. Neben den praktischen Erfahrungen zu Anwendbarkeit und Praktikabilität geben die Experten auch einen Einblick in den aktuellen Stand zu Kennzahlen. Detailinfos zu den weiteren Kongressthemen sowie alle Infos zur Arbeitsschutz Aktuell 2020 finden Sie online.

Quelle: www.arbeitsschutz-aktuell.de  

 

 

 

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ARBEITSMEDIZIN: Gesunde Menschen – gesunde Wirtschaft

ARBEITSMEDIZIN: Gesunde Menschen – gesunde Wirtschaft

Dass Menschen möglichst lange gesund und leistungsfähig ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen und dann bei möglichst guter Gesundheit in den Ruhestand treten können, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl der Arbeitsunfälle sinkt seit Jahren kontinuierlich, die Berufskrankheiten stagnieren auf niedrigem Niveau. Dieses Verdienst dürfen sich zu einem Gutteil die Arbeitsmediziner zuschreiben, die in den Unternehmen präventiv dafür sorgen, dass die Beschäftigten durch ihre Arbeit nicht krank werden bzw. zu Schaden kommen.

Dennoch bleibt noch immer viel zu tun, denn die Digitalisierung revolutioniert die Arbeitswelt. Zu den „alten“ Risiken wie Lärm, Gefahrstoffe, körperlich schwere Tätigkeiten gesellen sich neue Herausforderungen für Prävention und Gesundheitsförderung, wie zum Beispiel die Aufhebung fester Büro-Arbeitsplätze, Arbeitsverdichtung oder die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung von Arbeitsprozessen.

Die aktuelle demografische Entwicklung macht deutlich, dass die langfristige Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit von arbeitenden Menschen eines der vorrangigsten gesundheitspolitischen Ziele ist. Bereits jeder dritte Erwerbstätige ist über 50 Jahre alt und damit ist diese Gruppe etwa doppelt so groß wie jene der „jungen“ Erwerbsfähigen zwischen 20 und 29 Jahren. „Umso wichtiger ist es, die Arbeitnehmer physisch und mental zu befähigen, länger im Arbeitsprozess zu bleiben, damit Wissen und Kompetenzen im Betrieb bleiben und nicht verloren gehen. Eine der wichtigen Aufgaben der Arbeitsmedizin wird in Zukunft daher sein, auch Menschen mit chronischen Erkrankungen ihrem Gesundheitszustand angepasst zu beschäftigen bzw. nach einer Erkrankung wieder einzugliedern“, betont Dr. Stefan Koth, Geschäftsführer der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP).

 Vorbeugen statt heilen

Arbeitsmedizin ist in erster Linie Präventivmedizin. Gemäß dem von der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP) publizierten „Berufsbild Arbeitsmediziner(in)“ umfasst Arbeitsmedizin Maßnahmen

  • der Schadensverhütung (Primärprävention),
  • der Früherkennung von Risikofaktoren und Erkrankungen (Sekundärprävention),
  • der beruflichen Wiedereingliederung und der Integration gesundheitlich beeinträchtigter Menschen (Tertiärprävention) sowie
  • der Gesundheitsförderung.

Sie zielt einerseits auf die Vermeidung bzw. Minimierung gesundheitsbeeinträchtigender Einfluss­faktoren (Verhältnisprävention) sowie andererseits auf die Stärkung persönlicher Gesundheitsressourcen und die Motivation zu eigenverantwortlichem gesunden Verhalten (Verhaltensprävention).

Für Arbeitsmediziner ist nicht die Konzentration auf die Krankheit (Pathogenese) wesentlich, sondern die Erhaltung der Gesundheit (Salutogenese). Sie ist daher zwar auch an Diagnosen von möglicherweise durch den Beruf ausgelösten Erkrankungen interessiert, vielmehr aber noch an der Beseitigung der Ursachen. Denn nur ein präventiver Ansatz kann die Entstehung bzw. das Neuauftreten von berufsbedingten Erkrankungen nachhaltig verhindern.

 Gefahren erkennen – arbeitsmedizinisch beraten – unternehmerisch denken

Zum Aufgabenfeld von Arbeitsmedizinern gehören die Begehung von Arbeitsplätzen und die Beurteilung von Gefährdungen ebenso dazu wie Untersuchungen, Beratung der Beschäftigten sowie Besprechungen mit Führungs- und Sicherheitsfachkräften. Dabei geht es nicht ausschließlich um medizinische Themen. Je nach Betrieb bzw. Branche müssen sich Arbeitsmediziner auch in betrieblichen Abläufen und Organisationsstrukturen, in gesetzlichen Bestimmungen des Arbeitnehmerschutzes, in Psychologie und manchmal auch in Technik, Chemie und Biologie auskennen. Einerseits sind sie sehr nah an den Beschäftigten und andererseits als beratende Führungskraft idealerweise direkt der Firmenspitze zugeordnet.

Zusätzlich zu den Aufgaben des klassischen Arbeitnehmerschutzes kann die Arbeitsmedizin mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung im „Setting“ Arbeitsplatz die rund vier Millionen unselbständig Beschäftigten in Österreich dort erreichen, wo sie den größten Teil ihrer Zeit verbringen. Sie gelangt damit auch zu Bevölkerungsgruppen, die eventuell gesundheitliche Risikofaktoren haben, aber noch nicht manifest erkrankt sind, oder erreicht diejenigen, die häufig nicht an allgemeinen Vorsorgeprogrammen teilnehmen und von sich aus oft zu spät zum Arzt gehen.

Die Rolle des Arbeitsmediziners kann daher schlussendlich auch die eines ganzheitlichen Gesundheitsberaters und betrieblichen Gesundheitsmanagers sein, der den Bereich „Gesundheit im Unternehmen“ dann zentrale „Drehscheibe“ steuert. Quelle: Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP)

Ein Interview mit Dr. Stefan Koth finden Sie in der aktuellen Ausgabe der M.A.S..

 

Fotocredit: ©AdobeStock/Robert Kneschke

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